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„Es gab keine Stunde Null“

Samstag, 10. Oktober 2020, 10:30 - 17:30
Stuttgart, Waldheim Clara Zetkin, Gorch-Fock-Str. 26

Anlass für diese Tagung ist der 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai 1945. Dass die Kommunisten und andere Antifaschisten schon früh Überlegungen für eine demokratische Ordnung nach der erhofften Niederlage des nazifaschistischen Regimes anstellten, ist historisch Interessierten bekannt. Kaum bekannt aber ist, dass auch Exponenten des deutschen Faschismus, seine Profiteure und ihnen zuarbeitende Wissenschaftler sich schon seit der Niederlage von Stalingrad 1943 Gedanken darüber machten, wie sich möglichst viel von der bestehenden sozialökonomischen und politischen Ordnung in die Zeit nach einem verlorenen Krieg würde hinüberretten lassen. Während „einfache Bürger“, die öffentlich am Endsieg zweifelten, mit drakonischen Strafen bis hin zum Todesurteil zu rechnen hatten, wurden im faschistischen Staats- und Parteiapparat fieberhaft entsprechende Überlegungen angestellt.
Deshalb wurden z.B. mögliche führende Köpfe eines künftigen demokratischen, gar sozialistischen Deutschlands gezielt ermordet (diesem Zweck dienten zum Teil auch die berüchtigten Todesmärsche). Deshalb entwickelte z.B. die Gruppe um den SS-Mann Ohlendorf (zu deren weiterem Umfeld auch der spätere Wirtschaftsminister und Bundeskanzler Ludwig Erhard gehörte) Pläne für eine deutsche Nachkriegsordnung, die den Interessen des großen Kapitals Rechnung trägt. Deshalb wurden in den letzten Kriegsmonaten wichtige Institutionen aus den Gebieten östlich der Elbe, deren Besetzung durch die Rote Armee bevorstand, in den Westen Deutschlands verbracht. Deshalb wurde die Flucht von führenden Faschisten über die „Rattenlinie“ nach Lateinamerika vorbereitet – u.a.m.
Die Erwartung, der von der Antihitlerkoalition geforderten bedingungslosen Kapitulation entgehen zu können, war zwar vergebens; aber kaum standen die ersten US-amerikanischen Truppen auf deutschem Boden, da boten ihnen frühere Repräsentanten des Regimes schon ihre Mitarbeit an. Mit Erfolg. Denn in den USA wie in Großbritannien dominierte nach dem Sieg über Hitlerdeutschland das Bemühen, wichtige Vertreter des faschistischen Militärs, der technischen Intelligenz und der Nazi-Geheimdienste für eine künftige Konfrontation mit der UdSSR zu gewinnen.

Es referieren:

  • Kurt Baumann (Kassel): "Bereits die Ratio des nächsten Krieges." Die Endzeitverbrechen der deutschen Faschisten kurz vor der Befreiung.
  • Hermann Kopp (Düsseldorf): Nachkriegsplanungen des NS-Imperialismus.
  • Jürgen Lloyd (Krefeld): Das Kontinuum. Was ist es, das über den Wechsel der Staatsformen Bestand hat?

Die Tageszeitung »junge Welt« hat eine leicht gekürzte Fassung des Referats von Jürgen Lloyd veröffentlicht: Lloyd: Geschlossene Heimatfront